13.10. 17:57

Merkel und deutsche Wirtschaft setzen auf Diversifizierung in Asien

Berlin (Reuters) - Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Asien-Pazifik-Ausschuss der deutschen Wirtschaft (APA) haben deutsche Unternehmen zu einer Diversifizierung ihrer Geschäfte in Asien aufgerufen.

"Fast 50 Prozent des deutschen Außenhandels im indopazifischen Raum entfallen auf China", sagte Merkel am Mittwoch bei der Übergabe des APA-Vorsitzes von Joe Kaeser an den Siemens-Vorstandsvorsitzenden Roland Busch. "Wir sollten nicht übersehen, dass Asien-Pazifik mehr ist als China", fügte sie hinzu und forderte intensivere Beziehungen zu anderen Staaten in der Region. "Wir müssen uns in Asien breiter aufstellen", betonte auch Busch in seiner Antrittsrede.

Beide unterstrichen wie auch der bisherige APA-Chef Kaeser, welch große Rolle China für die deutsche Wirtschaft spiele. Kaeser sprach von einem Partner, der in den kommenden Jahrzehnten sehr stark das asiatische Jahrhundert beeinflussen und gestalten werde. Merkel setzte sich für die Ratifizierung des EU-China-Investitionsabkommens ein. "Ich wünsche mir, dass der APA sich auch dafür einsetzt, dieses Abkommen ratifizieren zu können", sagte sie mit Hinweis auf Ratifizierungsprobleme in der EU.

Da Freihandelsabkommen beiden Seiten Vorteile brächten, forderte die Kanzlerin mehr davon. Deshalb "sollte es auch gelingen, die Verhandlungen mit Australien und Neuseeland erfolgreich zum Abschluss zu bringen". Dies wird derzeit von Frankreich blockiert, das wegen eines Sicherheitspaktes der USA, Großbritanniens und Australiens verärgert ist.

Der neue APA-Chef Busch forderte einen Schulterschluss zwischen Politik und Wirtschaft in Europa. "Es gibt keine politische Souveränität ohne technologische Souveränität." Man brauche deshalb eine konstruktive Wirtschaftspolitik gegenüber China. Merkel hatte zuvor gemahnt, man dürfe nicht nachlassen im Pochen auf gleiche Wettbewerbsbedingungen und den Schutz des geistigen Eigentums. Angesichts des Kräftemessens zwischen den USA und China müsse es für Deutschland und die EU darum gehen, "eine ausgleichende und konstruktive Rolle zu spielen". Man müsse so lange wie möglich Austausch und Offenheit bewahren, sagte er mit Blick auf Warnungen vor einem Wirtschaftskrieg.

Merkel hatte zuvor mit Chinas Präsident Xi Jinping in einer Videokonferenz gesprochen. Dabei ging es nach Angaben eines Regierungssprechers in Berlin um den bevorstehenden G20-Gipfel, Klimaschutz, Menschenrechten und das EU-Investitionsabkommen mit China.