12.10. 01:00

OTS: Neue Osnabrücker Zeitung / AWO warnt vor Personalabbau bei den ...


AWO warnt vor Personalabbau bei den Wohlfahrtsverbänden / Verbandschef
Groß: Jede vierte Stelle bei Asyl- und Migrationsberatung in Gefahr -
Kürzungen im Bundeshaushalt 2027
Osnabrück (ots) - Die von der Bundesregierung geplanten Kürzungen bei der
Migrations- und Asylberatung könnten die Wohlfahrtsverbände im nächsten Jahr bis
zu 630 Arbeitsplätze kosten. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" (noz)
unter Berufung auf Berechnungen der Arbeiterwohlfahrt (AWO).

Demnach ist die AWO selbst massiv betroffen. Dort sind 112 von 466 Stellen in
der vom Bund geförderten Migrationssozialarbeit gefährdet - fast jeder vierte
Arbeitsplatz. Verbandsübergreifend drohe ein Abbau von 27 Prozent der
entsprechenden Stellen gegenüber 2026, falls Eigen- oder Drittmittel die
Ausfälle 2027 nicht auffangen können. Mit dem Personalabbau würden auch
entsprechende Beratungsangebote wegfallen.

"Die Kürzungen, die die Bundesregierung in der Migrationssozialarbeit vorsieht,
können wir nur kurzsichtig nennen. Denn die Dienste, die davon betroffen sind,
sind ja keine netten Dreingaben, sondern ganz zentral auch für den
Wirtschaftsstandort Deutschland", sagte AWO-Chef Michael Groß gegenüber noz. Die
Angebote, die mit den Haushaltskürzungen zur Disposition stünden, qualifizierten
die Menschen "für den Arbeitsmarkt, stärken Zusammenhalt, spannen soziale Netze
dort, wo Menschen alleine abstürzen würden", betonte Groß. Einer Studie zufolge
rentiere sich jeder in der Migrationssozialarbeit investierte Euro um das
25-fache. Die Bundesregierung kürze also an der Zukunft. Am Ende werde nicht
gespart, sondern die Kosten würden Richtung Kommunen und Behörden verschoben.

Vor dem Hintergrund rechtsextremer Wahlerfolge sieht AWO-Chef Groß die
Bundesregierung in einer besonderen Pflicht, die Migrationssozialarbeit als
wichtigen Bestandteil der kommunalen Unterstützungsstrukturen zu stärken: "Bei
der Frage, ob wir das Einwanderungsland Deutschland solidarisch gestalten oder
diese Frage den Rechten überlassen, beweist sich heute mehr denn je der
Charakter."

Im Zentrum der Kritik steht der Entwurf für den Bundeshaushalt 2027. Danach soll
die behördenunabhängige Asylverfahrensberatung (AVB) in ihrer bisherigen Form
faktisch abgeschafft werden: Statt 24,5 Millionen Euro in diesem Jahr sind
künftig nur noch fünf Millionen Euro vorgesehen. Zugleich ist bei der
Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte (MBE) eine Kürzung um vier
Millionen Euro gegenüber 2026 vorgesehen. Über den Haushalt 2027 entscheidet der
Bundestag voraussichtlich Ende November.

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