29.06. 06:09

Ex-Nato-Generalsekretär: Europas Rolle bleibt für die USA entscheidend


BERLIN (dpa-AFX) - Die USA bleiben nach Einschätzung des früheren Nato-Generalsekretärs Jens Stoltenberg stark auf ihre Verbündeten in Europa angewiesen - trotz aller Kritik von Präsident Donald Trump an der Militärallianz. "Die Verteidigung der USA beginnt an der europäisch-russischen Grenze", sagte der jetzige norwegische Finanzminister der "Welt" (Montag). So befinde sich direkt jenseits der norwegischen Grenze auf der russischen Kola-Halbinsel eines der weltgrößten Atomwaffen-Arsenale. "Diese Waffen sind nicht auf Oslo gerichtet - sie sind auf Washington und New York gerichtet. Aber Norwegen hilft dabei, die russischen U-Boote zu tracken, wenn sie ihre Stützpunkte verlassen."

Weiter sagte er, Norwegen helfe auch bei der Frühwarnung vor Raketen und dem Start von Flugzeugen. "Und ähnlich verhält es sich in Finnland und vielen anderen europäischen Ländern. Das ist entscheidend für die Sicherheit der Vereinigten Staaten", betonte er.

USA und Europa haben "ernsthafte Meinungsverschiedenheiten"

Mit Blick auf den anstehenden Nato-Gipfel am 7. und 8. Juli in Ankara und der wiederholten Kritik Trumps an den Partnern in Europa sagte Stoltenberg der "Welt" weiter: "Natürlich gibt es zwischen den USA und Europa ernsthafte Meinungsverschiedenheiten in den Bereichen Handel, Klima und auch bei Sicherheitsfragen. Ich unterschätze diese Herausforderungen nicht."

Das Wichtigste, was Europa zum Erhalt der Nato auch unter Trump aber tun könne, seien mehr Investitionen in die Verteidigung. "Und genau das tun wir. Deutschland ist nun auf dem besten Weg, der größte europäische Verteidigungsinvestor zu werden."

Invasion in die Ukraine "Fehlschlag" Putins

Die großangelegte russische Invasion in die Ukraine nannte Stoltenberg einen "strategischen Fehlschlag" von Präsident Wladimir Putin. "Er kontrolliert den Donbass noch immer nicht, und die Ukraine steht Europa näher denn je. Finnland und Schweden sind als direkte Folge der Invasion der Nato beigetreten. Putin hat also keines seiner strategischen Ziele erreicht, obwohl Russland einen großen Preis zahlt."/toz/DP/zb