ROUNDUP: Munich Re verdient überraschend viel - Aktienkurs fällt aber
MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re
Nach einem positiven Verlauf am Morgen lag das Papier zuletzt mit 0,4 Prozent im Minus und gehörte damit zu den schwächeren Titeln im Dax. Branchenexperte Ben Cohen von der kanadischen Bank RBC zeigte sich von dem Quartalsgewinn zwar positiv überrascht. Hohe Gewinne dürften aber im Gegenzug weiter auf die Entwicklung der erzielbaren Rückversicherungsprämien drücken.
Finanzchef Andrew Buchanan hatte diese Woche bereits von einem weiteren Preisverfall bei der jüngsten Vertragserneuerung im Rückversicherungsgeschäft berichtet. "Wir werden uns vernünftigerweise auf einen möglichen Preisrückgang auch im Juli einstellen", sagte er der "Börsen-Zeitung". Dabei deutete er auch an, dass Munich Re das Umsatzziel für 2026 möglicherweise anpassen muss.
Im zweiten Quartal profitierte das Unternehmen eigenen Angaben zufolge von einer "sehr geringen" Großschadenbelastung in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung. Hinzu komme ein "sehr starkes" Kapitalanlageergebnis. Dieses schlage sich auch beim hauseigenen Erstversicherer Ergo nieder, der in den Monaten April bis Juni unter dem Strich rund 300 Millionen Euro verdient habe.
Am Gewinnziel von 6,3 Milliarden Euro für das laufende Jahr hat das Management keine Zweifel: Nach dem ersten Halbjahr steht unter dem Strich bereits ein Gewinn von 3,9 Milliarden Euro.
Im Rückversicherungsgeschäft spielt die Absicherung gegen Naturkatastrophen eine große Rolle, da diese immense Schäden verursachen können. Ein gutes erstes Halbjahr ist daher kein Indiz für eine ebenso erfreuliche zweite Jahreshälfte.
Besonders schadenträchtig ist die alljährliche Wirbelsturmsaison im Nordatlantik und im Pazifik, die gerade erst begonnen hat. Im Pazifik wird dieses Jahr eine "El Nino"-Phase mit sehr hohen Wassertemperaturen erwartet. Tendenziell rechnen die Geowissenschaftler der Munich Re daher mit potenziell mehr Taifunen, die China, Japan, Taiwan und Südostasien treffen könnten.
Auf der anderen Seite könnten sich in einer El Nino-Phase im Nordatlantik weniger Hurrikane bilden, die die US-Ostküste und die Karibik heimsuchen. Im langfristigen Trend steigen zwar die Naturkatastrophenschäden - unter anderem wegen steigender Temperaturen auf dem Planeten - doch in einzelnen Jahren kann die Natur dennoch vergleichsweise friedlich sein.
Die vollständigen Zahlen will Munich Re wie geplant am 7. August veröffentlichen./stw/cho/mis/he