17.08. 06:16

'Die AfD ist eine Westpartei' - Haseloff fordert Debatte


WITTENBERG (dpa-AFX) - Sachsen-Anhalts früherer Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hat angesichts der hohen Umfragewerte der AfD eine Debatte über die Ursachen gefordert und in diesem Kontext die Medien in Deutschland kritisiert. Er wehre sich dagegen, "wenn bei der AfD immer auf den Osten gezeigt wird - die AfD ist eine Westpartei", sagte Haseloff der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in einem Interview. "Sie ist aus der westdeutschen Elite hervorgegangen, die führenden Köpfe sind fast alle Westdeutsche, und sie liegt auch im Westen sehr deutlich vor allen anderen Parteien."

Haseloff sagte weiter: "Wir müssen deshalb aus Ostdeutschland heraus eine Diskussion führen: Was ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten auch in Westdeutschland schiefgelaufen, warum wurden viele wichtige Themen von den Eliten nur am Rande diskutiert?"

Haseloff beklagt einen Westblick auf den "Ossi"

Obendrein seien auch die Medien für das Erstarken der AfD mitverantwortlich. Es gebe dort fast ausschließlich einen Westblick auf den sogenannten "Ossi", sagte der CDU-Politiker. Die Betrachtung des "Ossi" aus westdeutscher Perspektive sei letztlich "eine Verstärkung für die AfD im Osten".

Haseloff bemängelte unter anderem Negativschlagzeilen auf den Titelseiten. "Da kann man ja nur denken: Bloß raus hier, alles ist ganz schlimm. Das ist eine Selbstkasteiung dieser Gesellschaft", so der 72-Jährige. "Da braucht die AfD ja gar nicht mehr viel zu machen. Wenn permanent alles ganz furchtbar ist, hat man leichtes Spiel mit der Ankündigung, ein Land vom Kopf auf die Füße stellen zu wollen."

Haseloff hält Begriff "Brandmauer" nicht für hilfreich

Haseloff sagte zudem, er habe den Begriff "Brandmauer" nie für hilfreich gehalten habe. "Die gesellschaftlich relevanten Gruppen müssten zum Beispiel viel stärker die realen Folgen einer AfD-Politik deutlich machen - ein Drittel unseres Wohlstandes haben wir zum Beispiel deswegen, weil wir in der Europäischen Union sind. Man muss den Menschen vor Augen führen, dass sie auf dieses Drittel werden verzichten müssen, wenn sie eine Partei wählen, die raus aus der EU möchte."

Haseloff war von 2011 bis Januar 2026 Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Am 27. Januar 2026 trat Haseloff zurück, um seinem Nachfolger Sven Schulze einen Amtsbonus vor der Landtagswahl am 6. September zu verschaffen. In den Umfragen zur Landtagswahl liegt die AfD aktuell deutlich vor der CDU./goe/DP/zb