WOCHENAUSBLICK: Marktexperten bleiben für den Dax vorsichtig
FRANKFURT (dpa-AFX) - Wohl und Wehe des Dax
Börsenbeobachter bleiben indes vorsichtig. "Dass Friedenshoffnungen aus dem Nahen Osten trotz zahlreicher Enttäuschungen weiterhin Reflexe auslösen, sollte nicht über schwelende Risiken hinwegtäuschen", warnt etwa Timo Emden, Chef-Marktanalyst beim Onlinebroker CapTrader. "Anleger dies- und jenseits des Atlantiks wollen Taten statt Worte und damit belastbare Fakten."
US-Präsident Donald Trump rechnet nach eigenen Angaben mit weiteren Verhandlungen mit dem Iran. "Sie wollen ein Abkommen schließen, aber es ist nicht das Abkommen, das ich schließen möchte", zitierte ihn das Nachrichtenportal "Axios" aus einem Telefongespräch. Es sei das, worauf man sich vielleicht vor einem Jahr geeinigt hätte. Der Iran habe den Bogen überspannt, sagte Trump demnach mit Blick auf den jüngsten Vorschlag des Landes, den der US-Präsident bereits zuvor abgelehnt hatte.
Für Trump steige mit Blick auf die Anfang November anstehenden Parlaments-Zwischenwahlen der Druck, falls die Energiepreise dauerhaft hoch blieben. Der Iran wiederum könne diese Ausgangslage für eigene, recht ambitionierte Forderungen nutzen, die aber von den USA wohl kaum erfüllt werden. Entsprechend bleibe offen, ob und wann es zu einer Einigung kommt oder der Konflikt sich möglicherweise erneut verschärft.
Am Tropf der Ölpreise hängt die Inflationsentwicklung, die wiederum einen maßgeblichen Einfluss auf die Geldpolitik der US-Notenbank Fed hat. Nachdem die Währungshüter Mitte September erstmals seit über drei Jahren den Leitzins wieder angehoben hatten, um der hohen Teuerung Herr zu werden, erwartet an den Finanzmärkten eine Mehrheit Ende Oktober eine weitere Erhöhung. Neben der Inflation spielt aber auch die Beschäftigungslage eine wichtige Rolle für den geldpolitischen Fed-Kompass.
Da der Konsum trotz erster Erholungssignale bei den Frühindikatoren schwach bleibe, "schwebt zunehmend das Risiko einer Stagflation über den Märkten", befürchtet Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst beim Handelshaus CMC Markets. "Für Aktien ist die Mischung aus hartnäckiger Inflation und schwachem Wachstum besonders unangenehm, weil sie den Notenbanken kaum Spielraum für eine unterstützende Geldpolitik lässt."
Den zuletzt konsolidierenden Aktienmärkten könnte zwar die bald beginnende Berichtssaison neuen Schwung geben. Aber "dann müssen die Unternehmen zeigen, wie gut sie mit hohen Finanzierungskosten, Energiepreisen und einem zurückhaltenden Konsum tatsächlich zurechtkommen", mahnte der Experte.
Viele Unternehmensnachrichten dürfte die neue Woche allerdings noch nicht bieten. Am Dienstag will die Baumarkt-Holding Hornbach
Zur Wochenmitte und am Donnerstag legen aus den USA der Halbleiterkonzern Micron
Seitens der Konjunktur sollten wegen ihrer Bedeutung für die Geldpolitik vor allem der US-Arbeitsmarktbericht und die Verbraucherpreise aus der Europäischen Union - jeweils am Freitag - bei den Anlegern Aufmerksamkeit finden. Am Mittwoch und Donnerstag steht zudem eine Flut von Einkaufsmanagerdaten aus Asien, den USA und Europa im Fokus, die als wichtige wirtschaftliche Stimmungsindikatoren gelten./gl/la/zb/he
--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---