30.09. 16:05

IPO: Boehringer bleibt unabhängig - kein Börsengang geplant


INGELHEIM/HAMBURG (dpa-AFX) - Für den in Familienbesitz befindlichen Pharma-Riesen Boehringer Ingelheim ist ein Börsengang kein Thema. "Unsere finanzielle Unabhängigkeit hat für uns oberste Priorität", sagte Konzernschef Shashank Deshpande dem "Manager Magazin". Der Deutschen Presse-Agentur in Mainz sagte er anschließend auf Anfrage: "Boehringer Ingelheim strebt keine Börsenlistung an." Man wolle aus eigener Stärke weiter wachsen, sei und bleibe eigenständig. "Ein Verkauf oder IPO ist nicht geplant."

Boehringer steht im Wettbewerb mit zahlreichen börsennotierten Konkurrenten, die über den Kapitalmarkt viel Geld eingesammelt haben. Viel Geld braucht es für die oft langwierige Entwicklung neuer Wirkstoffe.

Boehringer steckt Milliarden in die Forschung

Boehringer Ingelheim steckte nach eigenen Angaben allein im Jahr 2025 bei einem Umsatz von 27,8 Milliarden Euro knapp 6,4 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. Auf die Frage des "Manager Magazins", warum Boehringer Ingelheim auf die Börse als Weg zu frischem Kapital verzichtet, sagte Deshpande: "Wir sind nicht von externen Investoren oder Kapitalgebern abhängig, wir denken in Generationen, nicht in Quartalen."

Eigentümer des Unternehmens sind nach wie vor die Nachfahren von Firmengründer Albert Boehringer. Dessen Urenkel Hubertus vom Baumbach stand bis Sommer 2025 als Vorgänger Deshpandes an der Spitze des Vorstands. Dann wechselte er an die Spitze des Gesellschafterausschusses, sozusagen das Vertretungsorgan der Eigentümerfamilie.

Die Familie steht an der Spitze einer am Mittwoch vom "Manager Magazins" veröffentlichten Liste der 500 reichsten Deutschen. Dort ist die Rede von einem Vermögen von 66,7 Milliarden Euro. Dazu sagte Deshpande dem Magazin: "Das ist ein hypothetischer Wert, der spiegeln soll, was Boehringer Ingelheim wert wäre, wenn wir an der Börse gelistet wären. Sind wir aber nicht."

Vertrauen in eigene Forschung

Eine Börsennotierung ist verbunden mit Veröffentlichungspflichten, der Blick von Investoren orientiert sich oft an recht kurzen Quartalszyklen. Auch existiert für börsennotierte Unternehmen ein gewisses Risiko, gegen den eigenen Willen übernommen zu werden - gerade in der Pharmabranche ist das durchaus ein Thema angesichts der immensen Börsenwerte etwa amerikanischer Konzerne.

Boehringer-Chef Deshpande sagte der dpa mit Blick auf die eigene Forschung und Entwicklung: "Wir haben die Wettbewerbsfähigkeit und die Pipeline, um weiter erfolgreich zu sein." Die für Boehringer wichtigsten therapeutischen Bereiche in der Humanpharma sind etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen, Krebs, Fettleibigkeit und Lebererkrankungen.

Erst kürzlich kündigten die Ingelheimer an, wieder selbst in die Forschung zur Eindämmung der Gefahr von Erregern einsteigen, die resistent gegen Medikamente geworden sind, also die Forschung zu antimikrobiellen Resistenzen (AMR). Dazu zählt die Entwicklung neuer Antibiotika./chs/DP/jha